Kathrine Zimmermann war in den letzten Jahren auf zahlreichen Einsätzen mit Ärzte ohne Grenzen. Nun unterstützt sie das HUG bei der Bekämpfung der Covid-19-Epidemie. Sie teilt ihren Alltag im Ausnahmezustand mit uns.
Meinen Teil beitragen
Als die Pandemie ausgerufen wurde und in der Schweiz erste Infizierte hospitalisiert wurden, konnte ich mir nicht vorstellen, zu Hause zu bleiben und im Homeoffice zu arbeiten.
Ich hätte nie gedacht, einmal während einer Epidemie dieses Ausmasses in Europa tätig zu sein. Ich bin auf jeden Fall sehr froh, dass ich Teil dieses Einsatzes sein kann! Die Intensivpflege am HUG ist auf mehrere Gebäude verteilt worden. Unter anderem wurden Operationssäle, Aufwach- und Behandlungsräume so eingerichtet, dass nun Covid-19-Patientinnen und Patienten dort behandelt werden können.
Nur mit Entenschnabel-Maske
Bei Schichtbeginn erfahre ich, welcher Station ich für die nächsten 12 Stunden zugeteilt werde. Der Übergang von einer Schicht zur nächsten ist beeindruckend, denn momentan sind unglaublich viele Pflegefachleute im Einsatz.
Am Eingang der Garderobe muss man sich die Arbeitskleider für die Nachtschicht aussuchen. Sobald wir den Bereich betreten, wo Patienten beatmet werden, setzen wir die FFP2-Masken auf, auch Entenschnabel-Maske genannt. Auch das Tragen von Kopfhaube, Schutzbrille und Kittel ist obligatorisch.
In den ersten zwei Wochen habe ich mich um «jüngere» Patienten gekümmert, das heisst Menschen unter 55 Jahre. Viele konnten beatmet werden und wurden auf die Überwachungsstation verlegt. Einige konnten nach wenigen Tagen wieder nach Hause. Solche guten Neuigkeiten sind sehr motivierend.
Normalerweise sieht man nie so viele künstlich beatmete Menschen.
Ich finde es eindrücklich, all diese Menschen an den Beatmungsmaschinen zu sehen. Oft liegen sie auf dem Bauch, um die Atmung zu verbessern. Als wir ankamen, wurden wir alle gewarnt, dass jeder Pflegefachperson im schlimmsten Fall fünf beatmete Patientinnen oder Patienten zugeteilt wird. Glücklicherweise kam es nicht so weit und die Situation scheint sich allmählich zu bessern.
Die Pflegeperson ist das Bindeglied zwischen Familie und Patient.
Den stärksten Eindruck hinterlässt bei mir die Einsamkeit der Patientinnen und Patienten. Vor einigen Tagen hatte einer meiner Patienten Geburtstag – am gleichen Tag wie ich. Ich konnte mit meiner Familie feiern, auch wenn nur per Skype. Er hingegeben hat seinen 80. Geburtstag allein verbracht.
Die Parallelen zu meinen humanitären Einsätzen sehe ich vor allem in den Ängsten, die durch diese Krankheit ausgelöst werden.
Meine Kolleginnen und Kollegen von Ärzte ohne Grenzen vor Ort sind jetzt dabei, sich in den jeweiligen Einsatzländern vorzubereiten und bei der Umsetzung der Schutzmassnahmen mitzuhelfen. So soll die Ausbreitung der Krankheit möglichst verhindert werden. Doch das Personal wird nicht ausreichen und Länder mit einem schwachen Gesundheitssystem werden bald an ihre Grenzen stossen.
Obschon ich zurzeit in der Schweiz bin, fühlt es sich ein bisschen wie auf Einsatz an. Meine Verwandten halten mir auch vor, dass ich mich nun zwar nicht in einem gefährlichen Land befände, mich dafür aber jetzt in die Covid-19-Pandemie stürze. Zum Glück vertrauen sie mir!
Kathrine Zimmermann
Die Pflegefachfrau Kathrine Zimmermann, die auf Intensivpflege spezialisiert ist, war zehn Jahre lang mit Ärzte ohne Grenzen in Afrika und Lateinamerika auf Einsatz. Vor ihrer humanitären Arbeit war sie auf der Intensivstation für Pädiatrie und Neonatologie des Universitätsspitals Genf (HUG) tätig. Seit vier Jahren leitet sie ein Programm zur weltweiten Verbesserung der Gesundheitsversorgung am Hauptsitz von Ärzte ohne Grenzen in Genf.
Covid-19-Pandemie: Was macht MSF?
Diese Seite wird regelmässig mit den Aktivitäten von MSF zur Bekämpfung von Covid-19 aktualisiert.
Für weitere Informationen klicken Sie hier.
Covid-19: Häufige Fragen
Was sind die Symptome? Was weiss man über das Virus? Wie gefährlich ist Covid-19?
Antworten auf häufige Fragen zu Covid-19 finden Sie hier.
© 2026 Médecins Sans Frontières (MSF)